Fußball Bundesliga – Hinrunden-Check 2025/26: Das sagen die Zahlen über die Saison der Wiener Erzrivalen

Für die beiden Wiener Erzrivalen glich die vergangene Hinrunde einer sportlichen Achterbahnfahrt. Kaum eine Phase ohne Ausschläge nach oben oder unten. Mal überzeugten die Leistungen, mal ließ das Ergebnis Fragen offen. Unterm Strich dürfen sowohl Austria als auch Rapid weiter von Europa träumen. Doch ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt: Die Tabelle erzählt längst nicht alles.

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Zwischen Erwartung und Wirklichkeit

Erst die xG-Tabelle erlaubt einen ehrlichen Blick auf das tatsächliche Spielgeschehen. Austria Wien steht dort deutlich anders da als im offiziellen Ranking. Drei Plätze höher und vier Punkte mehr, als es die xG-Werte erwarten lassen würden, sprechen für Effizienz – oder auch für Glück. 2,8 Tore erzielte die Austria mehr als prognostiziert, kassierte aber gleichzeitig 3,1 Gegentore zu viel. Rapid Wien erlebt das Gegenstück: Vier Tabellenplätze unter dem xG-Rang, zwei Punkte weniger als erwartet. Besonders auffällig ist die Offensive. Satte 7,7 Tore blieben im Vergleich zum xG-Wert auf der Strecke, während defensiv drei Gegentore weniger zugelassen wurden als statistisch vorhergesagt.

Doch trotz teils beunruhigender Statistiken bleiben die Prognosen erstaunlich positiv. Buchmacher mit riesigem Angebot sehen beide Klubs weiterhin im Rennen um die kontinentalen Plätze. Für den Titelkampf reicht es laut Einschätzung zwar nicht, doch man weiß: Zahlen sind Momentaufnahmen. Für Langzeitwetten liefern beide Wiener Vereine jedenfalls spannende Argumente.

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Austria Wien: Solide Basis, aber Luft nach oben

Offensiv bewegt sich Austria Wien im soliden Ligamittelfeld. 25 erzielte Tore bedeuten Rang vier im Vergleich, was sich zunächst ordentlich liest. Doch ein genauer Blick relativiert das Bild. 39 herausgespielte Großchancen reichen nur für Platz sieben, zudem wurden 58 Prozent davon vergeben. Der Ballbesitz liegt bei durchschnittlich 52,7 Prozent (Platz fünf), kombiniert mit 316 angekommenen Pässen pro Spiel. Auch bei Schüssen (12,7) und erfolgreichen Dribblings (6,9) rangiert die Austria jeweils auf Platz sechs. Viel Kontrolle, ordentliche Präsenz – aber selten maximale Durchschlagskraft.

Defensiv offenbaren sich die größeren Baustellen. 26 Gegentore bedeuten lediglich Rang neun. Zwar überzeugen die Veilchen mit 16,3 erfolgreichen Tackles pro Spiel (Platz sechs) und starken 9,6 abgefangenen Bällen (Platz vier). Auch bei den Klärungen liegt man mit 29,5 pro Partie im oberen Mittelfeld. Doch einzelne Fehler wiegen schwer. Hier entscheidet oft nicht die Menge, sondern der Moment.

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Rapid Wien: Viel Tempo, zu wenig Ertrag

Rapid Wien liefert offensiv eine der auffälligsten Bilanzen der Liga. 48 herausgespielte Großchancen sind Ligaspitze – nur eine Mannschaft war besser. Doch die Effizienz ist das große Problem. 77 Prozent dieser Chancen blieben ungenutzt. Entsprechend stehen nur 21 Tore zu Buche, Rang neun. Dabei stimmt vieles im Spielaufbau. 55,2 Prozent Ballbesitz (Platz drei), 326 angekommene Pässe (Platz fünf) und 14,1 Schüsse pro Spiel (Platz vier) zeigen klare Dominanzphasen. Auch im Eins-gegen-eins gehört Rapid mit 9,6 erfolgreichen Dribblings zu den Besten der Liga.

Defensiv liest sich die Bilanz überraschend stabil. 21 Gegentore bedeuten Rang drei. Allerdings trügt der Eindruck etwas. Nur 15,1 erfolgreiche Tackles pro Spiel (Platz zehn) und lediglich 7,1 abgefangene Bälle – Ligatiefstwert – zeigen Schwächen im Zugriff. Mit 28,4 Klärungen pro Partie liegt Rapid ebenfalls nur auf Rang neun. Oft rettet die Struktur, nicht die Aggressivität.

Noch ist alles drin!

Unterm Strich liefern beide Wiener Klubs genügend Ansätze für Optimismus. Die Hinrunde hat Schwächen schonungslos offengelegt, gleichzeitig aber auch klares Potenzial sichtbar gemacht. Weder Austria noch Rapid mussten ihrer Spielidee grundsätzlich abschwören – es geht vielmehr um Feinjustierung. In beiden Fällen liegt der Schlüssel in der Effizienz vor dem Tor und in einer höheren Konstanz über 90 Minuten.

Die Zahlen zeigen, dass Chancen vorhanden sind, teils sogar im Überfluss. Werden diese künftig besser genutzt und defensive Aussetzer reduziert, kann sich das schnell in Punkten niederschlagen. Der Abstand nach oben ist überschaubar, der Spielraum für Entwicklung groß. Noch ist nichts entschieden. Wer die richtigen Schlüsse zieht, kann die Saison nicht nur retten, sondern ihr auch eine überraschende Wendung geben.