Sportfan oder Profisportler: Beides zusammen schwierig?

Ein kontroverses Thema und zugleich auch eine heikle Frage, welche sich manche Profisportlerinnen und Profisportler vielleicht insgeheim manchmal denken, wenn sie in die grölende Zuschauer-Menge blicken oder die betrunkenen Sportfans beim Feiern sehen, aber nie aussprechen würden: „Könnte ich mir selbst das in meiner Profisport-Karriere auch erlauben, mich derartig gehen zu lassen und biertrinkend vor dem Fernseher sitzen, um emotional aufgeladen mir jedes Fußball-Match reinzuziehen?“ Die Antwort lautet vermutlich: „Nein, ich könnte dann meine Leistung nicht erbringen und auf kurz oder lang meine Profisport-Karriere an den Nagel hängen.“ Wie viel Sportfan kann ein Profisportler sein, damit die Leistung und Karriere nicht darunter leidet?

sportfan oder profisportler
Abbildung: BVB-Fans beim Feiern - was geht in diesen vielen Köpfen vor sich?

Sportfan ist nicht gleich Sportfan

Dieses Thema muss man natürlich differenziert betrachten. Es gibt jene Sportfans, die sich für die Sportart selbst interessieren und diese auch selbst leidenschaftlich ausüben. Diese Art von Sportfan hat oft auch ein Idol, bei welchem sie sich dessen Art zu trainieren abschauen und wissen wollen, wie das Idol es geschafft hat, so gut in dem zu sein, was sie oder er eben macht. Die Antwort findet sich oft in einem soliden Umfeld, unendlich großem Fleiß und der richtigen mentalen Ausrichtung. Ein Sportfan, der für sich selbst und seinen Lebensweg etwas davon mitnimmt, der wird wahrscheinlich nicht (oder nicht oft) grölend und biertrinkend im Stadion sitzen. Es kann auch gut sein, dass diesem Sportfan die Ergebnisse und Ranglisten von Teams, Marktwert und Reichweite von Profisportlern, sowie die Popularität der Sportart relativ egal sind. Es geht diesem Sportfan vielleicht vielmehr um die sportliche Betätigung und den Weg zum Profisport an sich. So ein Sportfan hat mit dieser Leidenschaft für den Sport vielleicht ganz gute Chancen, selbst ein außerordentlich guter Profisportler zu werden, oder sogar schon zu sein. Insofern ist die Rolle eines Sportfans und die Rolle eines Profisportlers kein Widerspruch, sondern sehr gut miteinander zu vereinen. Wichtig dabei ist, dass der Sportfan in einem Profisportler kein Hindernis für die Ausübung des Sports darstellt.

Negativ Beispiel einer Sportfan-Identität

Nun denken wir an einen jungen Nachwuchs-Fußballer, der grundsätzlich das Zeug dazu hat, künftig in den Profi-Fußball einzusteigen. Es handelt sich somit um ein Fußball-Talent, jedoch mit gewissen Schwächen. Eine der Schwächen bzw. Hürden im Leben des jungen Fußballers bezieht sich auf sein Umfeld, unter anderem auch den aktuellen Fußballverein in einer der unteren Ligen. Dort gibt es grundsätzlich nicht die Infrastruktur und Trainingsmöglichkeiten, die in echten Profi-Fußballvereinen standardisiert sind. Und auch die Trainingsmethoden unterscheiden sich gewaltig, sowie die Abläufe im Verein. So kann es gut sein, dass der Sportvereins-Alltag in einigen Punkten ein Hindernis für das Vorankommen des jungen Fußballers darstellen kann, wie zum Beispiel:

  • Nach dem Match zu einem Wirten essen gehen und feiern
  • Intensive Trainings beenden ohne ausreichendes Cool Down
  • Fehlende regenerative Maßnahmen
  • Zu einseitiges Training (fehlende Grundlagenausdauer, zu wenig funktionelles Krafttraining, zu wenig Stretching, etc … )
  • Wenig bis gar keine mentale Betreuung

Wenn nun der junge Fußballer – der zweifelsohne für den Fußball brennt und von der Profi-Karriere träumt – auch in der Rolle eines Fußballfans steckt und sich regelmäßig nach dem Match oder Training am Smartphone noch Social Media-Posts von Fußballern reinzieht, und vor dem Fernseher sich die Champions League ansieht, anstatt sich körperlich und mental auf das nächste Match oder Training vorzubereiten, dann sind das keine optimalen Rahmenbedingungen für die künftige Karriere.

Für einen jungen Fußballer, der es ohnehin sehr schwer hat, sich im leistungsorientierten Nachwuchsbereich zu behaupten, sind Regeneration und Fokus auf die eigenen Ziele essentiell. Das Leben eines klassischen Sportfans, der keine Neuigkeit auf Social Media verpassen will und sich damit eigentlich in gewisser Weise unter Druck setzt, kann in der Welt eines Profisportlers nicht – oder nur schwer – bestehen. Daher kann es gefährlich sein, wenn man Sportfan und Profisportler in ein und der derselben Person gleichzeitig ist.

Da das „Sportfan sein“ auch emotional sehr aufgeladen sein kann, so kann sich das bei Misserfolgen der umjubelten Mannschaft auch negativ auf den Fan auswirken. Besonders im Fußball wird oft negativen Emotionen durch Beschimpfungen und sonstigem aggressiven Verhalten sehr viel Freiraum gegeben. Es spielen sich selbst – und gerade dort – beim Wald- und Wiesen-Dorfplatz-Match, wo es um die goldene Ananas geht, dramatischere Szenen ab, als dort wo es wirklich um etwas geht. Oftmals entpuppt sich auch die eigene Unzulänglichkeit durch überzogene und völlig sinnfreie Aktionen am Fußballfeld selbst, und auch auf der Tribüne. Ein Aspekt, der Spannung und Emotion reinbringt, aber in Wirklichkeit bei der Entwicklung im Profisport selbst keine Hilfe darstellt.

Wenn der Profisport darunter leidet

Nun gibt es ehemalige Profi-Fußballer, die rückblickend auf ihre eigene Fußballkarriere bei Momenten angekommen sind, wo sie sich in den Spiegel schauend selbst gefragt haben, ob dieser Sport für sie noch das Richtige im Leben ist. Ein nicht unbekannter Ex-Fußballer berichtete davon, dass ihm nach Jahren erst irgendwann aufgefallen ist, dass es ihm völlig egal sei, welche Fußball-Mannschaft jetzt dominiert, und auch die Ergebnisse und Ranglisten waren ihm eigentlich nicht mehr wichtig. Er war nur mehr mit sich selbst beschäftigt und darauf fokussiert, in dem Hamsterrad des Profisports zu bestehen. Für das „Sportfan sein“ wäre da ohnehin kein Platz mehr gewesen. Also stellte sich der Fußballer sinngemäß die Frage: „Was stimmt mit mir nicht? Ist das überhaupt noch richtig für mich, wenn ich mich nicht einmal mehr für den Fußballsport außerhalb meines Handelns interessiere?“.

In gewisser Weise kann man nun sagen: „Ja, es scheint so, als wenn deine Zeit gekommen ist, abzudanken und den Platz frei zu machen.“, auf der anderen Seite wiederum ist das durchaus auch ein natürlicher Prozess und sogar sehr gut nachzuvollziehen, wenn man eben nicht klassischer Sportfan und Profisportler in einer Person ist. Anstelle sich zu hinterfragen, was mit einem nicht stimmt, wenn man keine Lust mehr hat, sich die Champions League mit einem Bier anzusehen, sollte man sich als Profi fragen: „Was ist es, was mich tagtäglich antreibt und Freude bereitet, das zu tun, was ich eben gerne tue, eben Fußball zu spielen?“ Gute Vorrausetzungen dafür, dass man weiterhin Profi-Fußballer bleibt, sind in diesem Fall jene Rahmenbedingungen, die es einem ermöglichen, das harte tägliche Training und das Fußballspielen mit innerer Überzeugung und Freude zu machen. Das ist dann der Wert der Beständigkeit, auf den es ankommt.

Grenzen die nicht überschritten werden sollten

Es gibt Fußballfans, die assoziieren den Fußball mit einer Art von Religion. Der angehimmelte Fußballverein stellt in so einem Fall den Tempel dar und die Fußballstars übernehmen die Rolle des Hohe-Priesters. Der Judas im Fußball ist dann oftmals das schwarze Schaf in Form des Schiedsrichters. „Schiri, wir wissen wo dein Auto steht!“ sind Drohgebärden von der Tribüne, wenn eine objektive Entscheidung des Schiedsrichters der Glaubensrichtung der Fangemeinde widerspricht. Profi-Fußballer, die nach dem Training von radikalisierten Fußballfans zusammengeschlagen werden, sind Opfer jener Ideologie, die mit dem Sport rein gar nichts mehr zu tun hat. Politik, Wirtschaft und aggressive Weltanschauung sollte in der Welt eines Profisportlers keinen Platz haben, denn das sind externe Faktoren, die dem Sport schaden können.