Er hat es geschafft – und dabei seine absoluten Grenzen ausgereizt. Red-Bull-Athlet Arda Saatçi erreichte den Santa Monica Pier in Los Angeles, nachdem er 604,6 Kilometer in 123 Stunden und 21 Minuten (mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 4,9 km/h) vom Death Valley bis nach Santa Monica zurückgelegt hatte. Damit löste er eine Welle der Begeisterung weit über die Sportwelt hinaus aus: Hunderttausende verfolgten seine Herausforderung rund um die Uhr, Millionen schalteten weltweit live ein. Das ursprüngliche Ziel von 96 Stunden rückte in den Hintergrund – was wirklich zählte, war eine außergewöhnliche Leistung, die die Menschen bewegte.
Wir haben es geschafft ....
„Wir haben es geschafft. So viele Menschen hier – einfach unglaublich“, sagte Arda Saatçi, nachdem er seine Mutter am Santa Monica Pier umarmt hatte. „Vielen Dank für die unglaubliche Unterstützung, online und vor Ort. Greift nach den Sternen, auch wenn nicht immer alles perfekt läuft, und vergleicht euch nicht mit anderen. Am Ende zählt nur, dass ihr euren eigenen Weg geht. Ich liebe euch alle – vielen Dank für alles.“
Der 28-jährige Berliner startete am 5. Mai 2026 um 11:00 Uhr (PST) im Badwater Basin im Death Valley – dem tiefsten Punkt der USA mit 85,5 Metern unter dem Meeresspiegel. Am 10. Mai 2026 um 14:29 Uhr (PST) erreichte er die Pazifik-Küste.
In über 123 Stunden und 21 Minuten legte er 604,6 Kilometer zurück
4,6 Kilometer mehr als ursprünglich geplant, bedingt durch einen Erdrutsch. Und er bewältigte dabei rund 6.000 positive Höhenmeter, was insgesamt mehr als 14 Marathonläufen in fünf Tagen entspricht. Seine Route führte ihn über endlose Salzebenen, einsame Wüstenstraßen, Schotterwege im Hinterland, entlang der historischen Route 66, neben stark befahrenen Autobahnen und schließlich durch die Stadtgebiete nach Los Angeles.
Das Besondere an diesem Ultralauf
Arda Saatçi lief nicht allein. Millionen von Fans begleiteten ihn rund um die Uhr live in den sozialen Medien. Die Chats waren ständig voller Nachrichten, Motivation und Emotionen. Viele schrieben, dass sie, inspiriert von dem Gesehenen, selbst die Laufschuhe geschnürt hatten.
Was als persönliche Herausforderung begann, wurde zu einem gemeinsamen Erlebnis. Der deutsche Streamer und Content Creator Elias „Eli“ Nerlich brachte es auf den Punkt: „Arda hatte die Herausforderung bereits mit dem ersten Schritt gemeistert, denn er inspirierte Hunderttausende.“
Kritik an diesem Ultralauf
Wenn man die sportlichen Leistungen von Arda Saatçi im Rahmen dieses Ultralaufes mit anderen, ähnlichen Leistungen / Distanzen vergleichen will, so muss man recherchieren. Ziemlich bald wird man jedoch dann zu der Erkenntnis kommen, dass Vieles an diesem Solo-Event-Format auch mit Show und dem Spielen mit möglichst großen Zahlen zu tun hat, ähnlich dem persönlichen „Weltrekord“ von Marinus Obermair im Donauschwimmen.
Die Kritik darin liegt in der Halb-Wahrheit und Verzerrung von echter Leistung, und somit in einer Art von Abwertung von den „echten“ Leistungsträgern und Rekordhaltern der jeweiligen Sportart / Disziplin. Wenn sich demnach jemand zu einem der fittesten Menschen von Deutschland stilisiert – speziell wenn es sich als Kraftsportler / Bodybuilder um seine „außergewöhnlichen“ Leistungen im Ultra-Ausdauersport handelt – dann sollte speziell für die jüngere Fan-Gemeinschaft erwähnt werden, dass die echte Leistung von Arda Saatçi im Vergleich zu anderen Ultraläufern eher als unterdurchschnittlich zu bezeichnen ist, wenngleich dies die Leistung von Arda Saatçi nicht schmälern soll. Es ist durchaus beeindruckend, wenn jemand in nur wenigen Tagen über 600 km zu Fuß zurücklegen will und auch ans Ziel kommt, aber die Art und Weise, wie das Event kommuniziert wurde, stellt ein verzerrtes Bild dar – nämlich wenn man wirklich wissen will, was der Mensch alles im Stande ist zu leisten.
Wir haben junge Nachwuchs-Fußballer zu Arda Saatçi befragt
Im Juli 2026 haben wir im Rahmen eines Sportcamps jugendliche Nachwuchs-Fußballer befragt, was sie von Arda Saatçi halten. Die Antwort überraschte kaum: „Arda Saatçi ist der Beste!!! Er ist nicht nur ur stark, sondern kann auch ur schnell und ur lange laufen. Er ist ein Hero. Er ist ein Vorbild.“ Auf die Frage, wie schnell Arda Saatçi laufen kann, wurde es plötzlich still.
Wir stellten die Frage noch einmal konkreter: „Wie schnell ist Arda Saatçi bei seinem Ultra 600 – Lauf in den USA gelaufen?“ Einer der Fußballer antwortete: „Sicher eine 5er-Pace, ich habe es im Livestream gesehen, er war ur schnell unterwegs.“
Daraufhin folgte noch eine Frage: „Glaubst du, dass Arda Saatçi die ganze Zeit so schnell gelaufen ist, wie es im Video dargestellt ist?“ Die etwas verunsicherte Antwort lautete: „Ich weiß nicht, ich glaube schon, weil sonst wäre es fake.“ Wir fragen weiter: “Kennt ihr jemanden oder glaubt ihr, dass es jemanden gibt, der schneller und weiter als Arda Saatçi laufen kann?“ Auch diese Antwort verwunderte nicht: „Nein, Arda Saatçi ist ziemlich sicher einer der Allerbesten auf der Welt, anders wäre das nicht denkbar. Er hätte sonst nicht so viele Follower. Er ist der Cyborg. Nur Superman ist vielleicht noch besser ..“.
Problem und Mechanismen dieser Art von Show
Das große Problem – insbesondere durch die Schnelllebigkeit von Social Media – ist, dass speziell die jungen Konsumenten digitale Inhalte, die tagtäglich über sie hereinprasseln, nicht hinterfragen. Das Konsumierte wird zur Realität und somit werden subtile Marketing-Schmähs und vermeintliche sportliche Rekorde ungefiltert aufgenommen und als die Realität akzeptiert. Arda Saatçi & Co bedienen sich ungeniert dieser Mechanismen und sorgen auf unterschwellige Art und Weise dafür, dass junge Menschen gewissen Idealen nacheifern die aber in Wirklichkeit nicht echt sein können.
Wie schnell ist Arda Saatçi nun wirklich beim Ultra 600 gelaufen?
Eigentlich ist es ja egal wie schnell Arda Saatçi war, weil es ging ja nie darum, schnell zu sein. Echt? Ja, zumindest wurde das auch so irgendwie kommuniziert. Aber irgendwie muss er sich ja doch schnell und stark zeigen, weil sonst eifert ihm niemand nach, oder? Ist er nun der Cyborg und Übermensch oder geht es ihm einfach darum, überhaupt irgendetwas vermeintlich Übermenschliches zu tun, egal welche echte Leistung dahinter steht? „Am Ende zählt nur, dass ihr euren eigenen Weg geht.“, sind seine Worte. Irgendwie wird es jetzt verwirrend, oder?
Für seine jungen sportlichen Fans jedenfalls ist er ungefiltert 600 km mit einer 5er-Pace gelaufen?
Okay, Quizfrage: Wie schnell ist man, wenn man 604,6 Kilometer in 123 Stunden und 21 Minuten zurücklegt?
Antwort: Die durchschnittliche Pace liegt bei 12:14 min/km, das ist eine Geschwindigkeit von 4,9km/h.
Cyborg-Speed: 4,9 km/h #hero
Wäre Arda Saatçi die 604,6 Kilometer mit einer 5er-Pace (12 km/h) gelaufen, dann wäre er nach bereits 50 Stunden und 30 Minuten im Ziel gewesen. Der Cyborg hat sich aber zum persönlichen Ziel eine Zeit von 96 Stunden gesetzt, das wäre demnach eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 6,3 km/h (9:36min/km) gewesen.
Arda Saatçi im Vergleich zu anderen Ultra-Läufern
Es ist in der Tat wirklich nicht einfach, echte 1zu1-Vergleiche mit dem Arda Saatçi-Ultra 600-Lauf herzustellen und das hat vermutlich System. Bewusst wählt man gerne für sensationsgeile Solo-Projekte sportliche Herausforderungen und Distanzen, welche mit offiziellen Meisterschaften und (Welt-)Rekorden nur schwer vergleichbar sind. In der Regel würde dies die sportlichen Leistungen von Solo-Projekten relativieren, wie es im Prinzip auch hier bei Arda Saatçi der Fall ist.
Es gibt allerdings einen Mann, der in etwa einen Vergleich mit Arda Saatçi‘s Ultralauf-Fähigkeiten zulässt, nur um zu sehen wie sportliche Leistungen einzuordnen sind. Dieser Mann heißt Yiannis Kouros. Er stammt aus Griechenland und ist einer der weltweit besten Ultramarathon- und Extremläufer. Yiannis Kouros hat viermal den berühmten Spartathlon gewonnen, und dabei in Griechenland die Distanz von 246 Kilometern in 20 Stunden und 25 Minuten gemeistert. Das ist eine durchschnittliche Pace von 4:58 min/km, sprich knapp über 12 km/h.
Warum nun gerade dieser Vergleich?
Yiannis Kouros hat auch einen 6-Tage-Rekord aufgestellt, bei welchem er in 6 Tagen (144 Stunden) ganze 1036,85 Kilometer (Pace: 8:19min/km, 7,2 km/h) zurückgelegt hatte. Im Rahmen dieses Laufes erreichte er nach 4 Tagen (96 Stunden, das Zeit-Ziel von Arda Saatçi) eine zurückgelegte Distanz von etwa 700 Kilometern, also 100 Kilometer weiter als das was sich Arda Saatçi überhaupt vorgenommen hatte.
Mit diesem Wissen kann man nun die Leistung von Arda Saatçi in Vergleich zu anderen Ultralauf-Ereignissen für sich einordnen, hier noch einmal zusammengefasst:
- Arda Saatçi – Ultra 600 geplant: 600km in 96 Stunden: 9:36 min/km (6,25 km/h)
- Arda Saatçi – Ultra 600 tatsächlich: 604,6km in 123 Stunden und 21 Minuten: 12:14 min/km (4,90 km/h)
- Yiannis Kouros – nach 96 Stunden bei 6-Tage-Lauf: 700km mit 8:13 min/km (7,3 km/h)
Das Spiel mit vielen Höhenmetern
Was zusätzlich beim Ultra 600-Bewerb von Arda Saatçi hinzu kommt, ist die Sensation von etwa 6.000 Höhenmetern. Rein rechnerisch ergeben 6.000 Höhenmeter auf einer Länge von 600 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 1 Prozent. Wenn man sich das tatsächliche Höhenprofil des Ultra 600-Laufes ansieht, wird man erkennen, dass es zum Ziel hin sogar mehrheitlich bergab geht.
Die große Hitze
Ja, Hitze macht es bei solch einem Event nicht unbedingt leichter. Was wird Yiannis Kouros antworten, wenn man ihn zur Temperatur beim Spartathlon in Griechenland befragt. Der Spartathlon findet im September statt.
Das Spiel mit großen und vielen Zahlen und Marketingtricks im Ultrasport
Die Welt der großen sportlichen Leistungen im Langstrecken- und Ultrasport-Bereich sind der perfekte Nährboden für Marketingstrategien, um mit Zahlenspielereien Eindruck zu schinden. Dies wird hier auf subtile Art und Weise zum Einsatz gebracht. Da für viele Fans diese langen Distanzen und großen Zahlen nicht wirklich greifbar sind, ist es unserer Meinung nach wichtig, für ein wenig Aufklärung und Bezug zu sorgen.


